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Raymond Zoller am 17. November 2002
Liebe Freunde,
in einer Begleitnotiz zur Auflistung neuer Texte lese ich, daß ein gewisser Dieter Bohlen erfolgreichster deutscher Schriftsteller ist. Und nun stellt sich mir, dem weitab vom kulturellen und sonstigen Geschehen der deutschsprachigen Welt lebenden, eine tiefe Rätselfrage, und zwarnämlich: wer, verdammt nochmal, iss denn nu dieser Dieter Bohlen? Vielleicht kann jemand es mir sagen? Mein Ignorantendasein klein wenig auflichten? – Ein einziges Mal kam, wie ich mich erinnere, jener Name mir zu Gesicht; und zwar beim Herumlesen in deutschen Internet-Nachrichten, wo ein Dieter Bohlen in einem Buch, das er geschrieben hat, einen Figaro oder Visagisten beleidigt hat; weswegen die betreffende Passage gestrichen werden mußte. Ich hab diesen Artikel neugierdehalber durchgelesen; und das hat sich mir dann aus dem Gründe eingeprägt, weil die betreffende Passage so hanebüchen wüst war, daß ich selbst sowat allein schon aus sprachlichen und stilistischen Gründen rausgeschmissen hätte, aufdaß niemand es sehe. Der Artikel erweckte den Eindruck, daß es sich bei diesem Dieter Bohlen um einen Prominenten (Fußballspieler? Schlagersänger? Talkmaster?) handelt, der seine Memoiren geschrieben hat. Obwohl er, dem Foto nach zu urteilen, zum Memoirenschreiben noch etwas jung scheint. – Andererseits isses meinen – natürlich nur spärlichen und der Ergänzung bedürftigen – Beobachtungen nach bei diesen heutigen Prominenten so ziemlich schnuppe, ob sie ihre Memoiren mit 20 oder mit 80 schreiben, da es da, außer gelegentlichem Ärger mit Visagisten oder vielleicht noch Unklarheiten bei der Gestaltung der neuen Villa, kaum nennenswerte Ereignisse und Entwicklungen gibt (und vielleicht macht eben solcher Mangel an eingreifenden Ereignissen und Entwicklungen dem heutigen Publikum das Lesen auch so angenehm).
Und so stell ich denn noch einmal meine Frage: Wer, verdammt nochmal, iss denn nu dieser Dieter Bohlen? Wer hilft mir, mein Ignorantentum bezüglich Stand der deutschen Literatur 200 Jahre nach Goethe zu reduzieren? Hä? (natürlich könnte ich jene Beantwortung auch via Suchfunktion im Internet anstreben; doch erstens bin ich zu solcher Operation zu faul; und zwotens war es mir solcherart erlaubt, mir meine fürwahr tiefe Verwunderung vom Leibe zu schreiben...)
Prost
Raymond
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Dirk Schröder half noch am gleichen Tag, i.e. am 17. November 2002, jene Bildungslücke zu schließen. Das von Dirk Schröder als Ganzes zitierte Gedicht wird hier, um Platz zu sparen und um keine Tantiemen zahlen zu müssen (wenn wir ein Gedicht brauchen, schreiben wir selbst eins) nur auszugsweise wiedergegeben.
Dieter Bohlen ist Lyriker und brotberuflich Musikproduzent. Diese verbindend schrieb er Songtexte für viele Musiker der deutschen Schlagerwelt, also vor allem in englischer Sprache. Seinen Durchbruch im Literaturherbst 2002 erreichte er allerdings mit der autobiografischen Erzählung "Nichts als die Wahrheit" - ein 'Megaseller', mit dem selbst Walsers "Tod eines Kritikers" nicht mithalten konnte.
Hier ein Gedicht, das Bohlen für Marianne Rosenberg schrieb: (Das Reimpaar 'weather - together' entspricht im Uebrigen in etwa dem deutschen 'Mutter - Butter', woran sich somit, laut Robert Gernhardt, die herausragende Bedeutung des Textes erweist.)
I need your love tonight
[…]
Oh I'm dancin' now Oh heavy weather
Try a brandnew start
Baby better let us try it together
Take my heart
[...]
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