Klamurke

 

Gespräche & Unterhaltungen

- Schubladenüberwindung und Welterrettung -

Facebook-Unterhaltung

zwischen

und 

Raymond Zoller

Alexandra Walter

Geld, Leid und Leberwurst
 Raymond Zoller

„Die Parteienmetaphysik ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Erfahrbar ist mir nur, wie diese metaphysische „denkende“, „meinende“, „betroffen seiende“ Partei-Wesen das Denken der von ihnen erfaßten menschlichen Wesen in stramme Schablonen zwängen.“ (Wilhelm von Dorten)[1]

 

 Alexandra Walter

tolles Zitat! sehe ich auch so. die ganzen Leute die sich mit stolz als linke oder Piraten bezeichnen ("Pirat" war ich auch mal kurz, aber nicht zahlendes Mitglied, immerhin, nur mal sympathisiert damit letzten Sommer, passend vor der Wahl, scheiß Gruppenzwang) - sich absichtlich in solche Schubladen stecken. ich zimmere mir meine Schublade selbst und beschrifte sie auch selbst. ich will nicht mehr in Schubladen von anderen Menschen, bei denen ich weder den restlichen Inhalt, noch das Etikett selbst ändern kann. nee nee.

 

 Raymond Zoller

Und irgendwann kommste dann dazu, auch die selbstgezimmerten Schubladen zu zerschlagen und, unbehelligt von Krücken und Schubladen, den Moment so zu nehmen, wie er ist. Ist ein weiter Weg bis zu solcher ungebundenen Beweglichkeit; aber es ist schon ein Fortschritt, wenn man merkt, daß sie, die Beweglichkeit, im Prinzip möglich ist, und wenn man aufhört, das an-Krücken-Gehen und das Leben in Schubladen als einzig mögliche Lebensart zu betrachten.

 

 Alexandra Walter

ja, genau das will ich erreichen! aber immer wenn ich eine Schublade kaputt mache, finde ich mich in einer anderen, größeren wieder. wie diese russischen Holzpuppen wo immer noch eine drin ist... das dauert wirklich, bis man aus dem Labyrinth mal raus ist. man kriegt halt auch anerzogen, wie toll es ist "dazu zu gehören" - wozu auch immer!

 

 Raymond Zoller

Wie Novalis ganz richtig sagte, ist "Philosophie der Weg, auf dem wir die Fehler, die bei unserer Erziehung gemacht wurden, wiedergutmachen" (oder so ähnlich). Wobei er unter "Philosophie" wohl eher eine innere Stärkung, eine Kräftigung der eigenen Denkbewegung meinte und weniger ein Sichunterordnen unter von andern ausgedachte philosophische Systeme (da man dann sofort wieder in den Labyrinthen drin ist). Und auch katechismusartiges Wiederholen von Aussagen über das Denken hilft nix (hatte früher viel mit solchen Leuten zu tun; da ist die Stagnation fast unüberwindlich); man muß sich schon konkret innerlich kräftigen und konkret selber den Mut aufbringen, anerzogenen Schrott als solchen zu erkennen und über Bord zu werfen.

So isses.

 

 Alexandra Walter

du sprichst mir wirklich aus der Seele! das predige ich sozusagen. schön immer nicht bei Konzernen kaufen, mit dem rad fahren, links sein, Öko sein, die Welt retten - aber niemals bei sich selber gucken und niemals INNERLICH arbeit leisten.… darum geht es aber, vorher kann man doch außen nix machen, bevor man innen nicht für sich geschaut hat: wie ist mein Weltbild, wo habe ich es her, stimmt es? was ist der Mensch? wer bin ich? das ändert sich natürlich immer wieder, aber erst, wenn man es zuläßt. da bin ich irgendwie gerade, daß ich sage, mein Weltbild ist fluid, wabert so durchs Universum, keine festen grenzen, etwas kommt, etwas geht, ich entwickel mich auch weiter, aber versuche auf den Kern fokussiert zu bleiben, das schmückende Beiwerk darf sich ruhig ändern... kein plan...

 

 Raymond Zoller

Frömmelnde Gemüter tun sowas natürlich als Anarchie ab. Und natürlich isses Anarchie. Der Geist weht, wo er will und will keinen Herrscher über sich. Wer den Geist in spanische Stiefel einschnüren will, ihm die Möglichkeit streitig machen will, sich immer wieder vom Ausgedachten, Gewordenen abzustoßen und in die Geistesgegenwart hineinzubefreien – der verunmöglicht dadurch jede Entwicklung, ersetzt die Entwicklung durch todesähnliches Wiederholen von bereits vorhandenem.

Und Aufgabe einer sich selbst verstehenden Geisteswissenschaft bestünde nicht darin, dem Geist vorzuschreiben, wie er zu fließen hat, sondern darin, die Hindernisse aufzuweisen, die ihn am freien Strömen hindern.

Ich meine damit nicht die soziale Welt (im weitesten Sinne); hier sollte schon eine gewisse Ordnung walten; wobei es allerdings günstiger wäre, wenn es gelingen könnte, diese Ordnung im Hinblick auf Förderung von Entwicklung zu organisieren. Bloß müßte hierzu erst mal ein rechter Begriff von Entwicklung sich breit machen; und wo soll dieser Begriff herkommen, wenn alle nur in Schubladen „denken“. Die Menschen schaffen sich die sozialen Strukturen, zu denen sie fähig sind; und so lange sich nicht möglichst viele Einzelne sich von ihrer Schubladenabhängigkeit befreien wird sich nix ändern können.

So isses.

 

Ergänzende Nachbemerkung:

Siehe hierzu auch "Stirb und werde; oder aber schlafe, bis du geweckt wirst"; unter besonderer Berücksichtigung des am Schluß erwähnten Woloschin-Gedichts.

 

[1] Da es heutzutage als unsolide gilt, eigene Gedanken zu äußern, tarne ich von mir selbst auf den Punkt Gebrachtes gelegentlich als Zitat. Jenen Wilhelm von Dorten habe ich selbst erfunden und nehme mir daher das Recht, mich bei Bedarf hinter ihm zu verstecken.

 

 

 

Zur russischen Übersetzung

 

Raymond Zoller

Geld, Leid und Leberwurst

Zur Wilhelm von Dorten-Fanpage:

 

Geld, Leid und Leberwurst

 

 

 

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