Notizen von unterwegs

Suchmaschinen

sowie Sinn und Unsinn des Veröffentlichens

Aus einem Brief April 2006

(als Antwort auf „"Im Netz schreiben" erlebe ich nicht als Veröffentlichung, sondern als: Freunden zeigen.“)

Ist bei mir im Prinzip genau das Gleiche: Veröffentlichen bedeutet, etwas Freunden zum Lesen zu geben. Die paar Wenigen, die etwas mit meinem Geschriebenen anfangen können, betrachte ich nicht als meine „Leser“ (bin kein Schriftsteller; zumindest nicht im heutigen Sinn), sondern, eben, als meine Freunde; selbst diejenigen, die ich nicht kenne und von denen ich nichts weiß.

 

Aus einem Brief Ende April 2006

Zunächst rein für mich schreib ich Belletristik; und halt, zu Verdauungszwecken, die ganzen Anmerkungen und Notizen. Wenn ich dann aber, nachdem es geschrieben ist, mich dazu entschließe, es zu veröffentlichen – so tu ich das, damit es gelesen wird; sonst könnte ich das Veröffentlichen gleich bleiben lassen. Und dann gibt es, besonders in letzter Zeit, nicht wenig, das ich von vornherein im Hinblick auf das Gelesenwerden schreibe. Publizistik halt.

Ich vermute, daß nicht wenige Leser, die bei funktionierender Suchmaschineneinbettung in die Klamurke gerieten, sich sofort enttäuscht wieder zurückzogen. Aber ganz sicher nicht alle; und eben auf die kommt es an. Von der Existenz solchen Volks zeugen, zum Beispiel, immer wieder auftauchende Suchwortkombinationen, die unübersehbar auf bestimmte Textstellen in der Klamurke bezogen sind; oder auch kommentierte Links in Foren. Da Google die Klamurke mehr oder weniger ausrangiert hat[1] kommen auch die paar wenigen, denen det interessant sein könnte, nicht mehr rein; und wer sich plötzlich an eine interessante Textstelle erinnert und noch einmal nachlesen möchte, findet sie nun nicht wieder.

Es kommt mir natürlich nicht auf die Menge an; es geht mir nur darum, daß die paar wenigen, mit denen ich mich verständigen könnte, mich auch finden.

 

Aus einem Brief vom 24.04.2006

Die letzte Zeit verbrachte ich teilweise im Kampf mit den Suchmaschinen. Ob es Sinn macht, weiß ich nicht; vermutlich nicht; doch da ich diesen Klamurke-Komplex schon mal in Angriff genommen habe, muß ich mich auch um Leser kümmern; denn wenn niemand da reinschaut, iss det alles für die Katz. Problem iss ja, daß kurz vor dem Umzug in die eigene Domain der Besucherstrom stark in die Höhe schnellte, und dann plötzlich, trotz funktionierender Umleitung, noch steiler absackte.

Hab dann angefangen, mit einem speziellen Programm die Entwicklung der Suchmaschineneinbettung zu verfolgen. Sehr interessant und verwirrend. Die größeren Suchmaschinen haben die neue Adresse schnell geschnallt; MSN etwa dürfte einen Großteil der Dateien bereits erfaßt haben; Yahoo hinkt stark hinterher; am interessantesten aber verhält sich Google. Da wurden so nach und nach die einzelnen Unterverzeichnisse berücksichtigt; immer mehr Seiten kamen hinzu; bis er plötzlich innehielt. Ein Umschwung war zu bemerken mit der absurden Entfernung der Seite http://klamurke.com/Notizen/forum.htm, deren Suchresultate über lange Zeit hinweg auf der ersten Seite erschienen („prätentiös“ sogar an allererster Stelle); und noch ein paar weitere Sachen, die eigentlich „gut im Rennen“ waren. Ein paar Tage später verschwand dann das „Morgengedicht“ (http://klamurke.com/Texte/morgen.htm). Das fand man früher bei der Suche nach einem Morgengedicht auf der ersten Ergebnisseite; und jeden Tag durfte es mehreren zum Frühaufstehen verurteilten, die lieber im Bette geblieben wären, Trost spenden. Dafür werden morgentrostbedürftige nunmehr mit lieblicheren Sachen abgespeist. Und da zunächst eben die besten und erfolgreichsten Sachen nicht mehr berücksichtigt wurden, kam mir der Verdacht: daß das von Hand entfernt wurde, um die Suchenden vor allzu Subversivem und Ungewohntem zu bewahren. – Im Weiteren verschwanden und verschwinden dann bei Google immer mehr klamurkisches, und die Besucherzahl ist entsprechend in den Keller gesackt. Was ja egal sein könnte; wenn nicht diese großen weiterreichenden Pläne wären… Ich versuchte dann, so nach und nach ganz pedantisch jede Datei einzeln für Suchmaschinen zu optimieren. Zumindest bei Google scheint das aber weiter nicht zu wirken; da wird die Klamurke weiter abgebaut und wird wohl irgendwann ganz verschwinden. Falls sie tatsächlich von Hand auf den „Index“ gesetzt wurde, so hilft gegenüber Google natürlich alles Optimieren nix. Aber vielleicht hilft es bei den übrigen… (da ich davon ausgehen muß, daß Google nicht nur gegenüber der Klamurke so verfährt, sondern, so ich wat suche, auch mich selbst vor in die üblichen Schemata nicht passendem Interessantem zu bewahren trachtet, hab ich für meine eigene Internetrecherchen selbige Suchmaschine weitgehend ausrangiert und benutz sie nur noch am Rande).


 

[1] Zwischendurch war sie fast ganz weg. Inzwischen sind die meisten Seiten wieder indiziert, aber wesentlich ungünstiger positioniert als früher; so ungünstig, daß man kaum noch draufstößt, höchstens mit Suchwortkombinationen. Doch gezielte Suche von bestimmten Klamurke-Texten via Suchwortkombinationen gibt es, im Gegensatz zu früher, nur noch sporadisch: Während der verhältnismäßig langen Zeit, wo man diese Seiten mangels Indizierung nicht finden konnte: sie waren einfach nicht mehr da – hat man sie vergessen; und aufgrund der schlechten Positionierung kommt es auch nicht zur Bildung eines neuen „Leserstamms“ (Anmerkung Juli 2006)

(Nachbemerkung Mitte September 2006) – Seit einiger Zeit ist das wieder anders. Von den häufiger gefragten Seiten sind viele wieder ganz vorn auf der ersten oder zweiten Ergebnisseite; und insgesamt ist ein Großteil der Seiten – nicht alle – erfaßt. Die erfolgreichsten Seiten wurden bislang, so weit ich sehen kann (kontrollier ja nicht jeden Tag) nicht mehr angerührt; beim Rest ist ein gewisses Flackern zu beobachten, ein Fallenlassen und Wiederaufnehmen. – Dies gilt für Google und gilt bis zu dem Zeitpunkt, wo diese Zeilen geschrieben werden. Kann sich natürlich jeden Moment wieder ändern.

 

 

Raymond Zoller

 

 
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