Klamurke

Ansprache des lieben Gottes

Ansprache des lieben Gottes

Ansprache des lieben Gottes

anläßlich der Abschaffung des achten[1] Gebots

 

Da hab ich euch doch seinerzeit gesagt: Du sollst kein falsches Zeugnis geben. Aber wißt ihr denn überhaupt noch, was richtiges Zeugnis ist und was falsches? Hä? ‑ Statt euch die Dinge selber anzugucken, lauft ihr allen möglichen Päpsten und Gurus nach und schlagt euch gegenseitig die Köppe ein, wer denn nu der richtige ist. Ist es nicht so?

He du, ja du da vorn, sag mal, wie groß ist der vierte Teil von acht? Sprich frei und offen und fürchte mich nicht. Wie siehst du das? ‑ Ach so; mußt erst eine neue Batterie in deinen Taschenrechner reintun; verstehe. Gut, warten wir. ‑ Aber sag mir: Wird das dann auch stimmen? Hä? ‑ Ach so, diese Rechner, sagst du, sind zuverlässig, und es kommt nie was falsches  raus. Das ist natürlich gut. Aber überprüfen kannst du es nicht? ‑ "Wozu?", frägst du? Weiß ich auch nicht. Aber wenn auf einmal bei einem Rechner zwei rauskäme und bei einem andern drei ‑ was wäre dann? ‑ Ach so; dann wird der Durchschnitt genommen. ‑ Und mit welchem Rechner wird der berechnet? ‑ Das entscheidet die Wissenschaft, sagst du? ‑ Gut; ich wünsch dir denn viel Glück.

Doch nun sagt mir, meine lieben Freunde: Wer vermag hier noch zu unterscheiden, was wahr ist und was falsch? Wer ist hier noch in der Lage, zu lügen? Was soll ich da mit meinem achten Gebot? Weg damit!


 

[1] Gemeint jenes Gebot, welches da lautet: du sollst nicht lügen

 

© Raymond Zoller

Ansprache des lieben Gottes 

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