Klamurke

Das Ebenbild

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 «Was schufst du», fragte Krückh, «nach deinem Bilde und Gleichnis den Menschen? Was schufst du überhaupt den Menschen? Hättest du es nicht leichter ohne ihn?»

«Ich schuf den Menschen, weil ich im Suffe meinen Spiegel kaputtgetreten hatte,» antwortete Gott und nippte an seinem Espresso. «Ohne Spiegel hatte ich es schwer, mich zu erkennen und mich zu finden; und weil nirgendwo ein Ersatz aufzutreiben war, schuf ich, nach meinem Bilde und Gleichnis, den Menschen. Und nun ist er da; und ich weiß nicht, wie ich ihn wieder los werden soll.»

„Zum Glück,“ sagte Krückh, „verfügst du über ein machtvolles unbewußtes Selbstvernichtungspotential…“

„Ich versteh nicht,“ wunderte sich Gott. „Was soll ich mit einem Selbstvernichtungspotential? Wo ich doch unsterblich bin?“

„Solches Potential hat sich in dir angehäuft als Reaktion auf die Aussichtslosigkeit der Daseinsbeendung,“ sagte Krückh.

„Mag ja sein…“ Gott zuckte die Achseln. „Aber ich merk nichts davon.“

„Dafür macht es sich in dem Menschen, den du ja nach deinem Gleichnisse schufest, umso stärker bemerkbar,“ fuhr Krückh fort. „Und aufgrund dieses in ihm als Spiegelung geronnenen Selbstvernichtungspotentials wird er dich über kurz oder lang selbst von sich befreien. Denn sterblich ist er ja…“

„Das würde auch noch fehlen, wenn er unsterblich wäre,“ brauste Gott auf. "Wenn er unsterblich wäre, würde ich ihn überhaupt nicht mehr los…“

„Er wird sich selbst vernichten,“ beruhigte Krückh. „All deine Weisheit, die sich in ihm spiegelt, benutzt er nur dazu, Mittel und Wege zu schaffen zur Selbstausrottung. Er wird sich ausrotten, und du wirst wieder deine Ruhe haben…“

„So Gott will,“ seufzte Gott und leerte mit einem kräftigen Schluck seinen Espresso.

 

© Raymond Zoller

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