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„Professor Krüggelmann?“
„Richtig. Professor Krüggelmann.“
Als ob sie aus einer andern Welt käme klang die Stimme.
Vielleicht kam sie auch aus einer andern Welt. Von woher genau, wußte niemand; aber jeder verstand, daß irgendwas nicht stimmte. Was hinwiederum niemanden wunderte: Denn warum sollte immer alles stimmen?
„Professor Krüggelmann?“ ertönte die Stimme ein zweites Mal.
„Richtig. Professor Krüggelmann,“ antwortete Professor Krüggelmann.
„Vermutlich ein Marsmensch,“ vermutete Ayolla, die Assistentin von Professor Krüggelmann. „Es heißt, letzte Nacht sei auf dem Galgenhügel eine fliegende Untertasse gelandet.“
„Wenn die fliegende Untertasse vom Mars kam, ist es möglicherweise ein Marsmensch,“ antwortete Natascha, die andere Assistentin von Professor Krüggelmann. „Und auf welchem Galgenhügel soll die gelandet sein?“
„Auf dem Galgenhügel halt. Wo zu früheren Zeiten der Galgen stand.“
„Ach ja? Dort stand ein Galgen?“
„Deshalb heißt er Galgenhügel. Aber der Galgen ist schon lange weg.“
Professor Krüggelmann schwieg. Und auch der Marsmensch, sofern es einer war, sagte nichts mehr.
„Ob sie ... gefährlich sind?“ In Ayollas Stimme zitterte Neugier.
„Wer“ fragte Natascha.
„Die Marsmenschen.“
„Wenn es welche sind,“ antwortete Natascha.
„Ich meine: ob Marsmenschen, ganz allgemein, gefährlich sind? Denn wenn sie in der Lage sind, fliegende Untertassen zu bauen und damit andere Planeten zu besuchen, so bedeutet das doch, daß sie von einer höheren Zivilisation sind als wir? Oder?“
„Zweifellos,“ bestätigte Natascha.
„Das heißt doch aber, daß sie für uns gefährlich sind?“ Mit einer lockeren Handbewegung verscheuchte Ayolla eine Fliege, die sich auf ihrer Schulter niederlassen wollte. „Denn was tun wir selbst, wenn wir Wesen treffen, die weniger entwickelt sind als wir?“
„Wir versklaven sie, stecken sie in den Zoo, präparieren sie oder essen sie auf,“ sagte Natascha sachlich.
„Eben,“ antwortete Ayolla. „Aber das ist doch spannend...“
„Natürlich ist es spannend.“
Professor Krüggelmann schwieg.
Und auch der Marsmensch, sofern es einer war, sagte nichts.
Professor Krüggellmann schwieg, weil er eingeschlafen war.
Und der Marsmensch, sofern es einer war, schwieg, weil er vielleicht weggegangen war.
„Was wir wohl tun müßten, wenn wir von den Marsmenschen versklavt würden?“ fragte Ayolla.
„Keine Ahnung. Das hängt von ihren Bedürfnissen ab.“
„Als Tragtier wäre ich nicht geeignet...“
„Bei ihrer hoch entwickelten Technik brauchen sie keine Tragtiere. Vielleicht bringen sie uns Kunststückchen bei...“
„Als Kind brachte ich unserem Hund bei, auf zwei Beinen zu gehen...“
„Vielleicht gehen Marsmenschen auf vier Beinen oder auf drei und bringen uns zum Plausch bei, es ihnen nachzutun...“
„Ich möchte aber nicht auf vier Beinen gehen. Und auch nicht auf drei...“
„Ich auch nicht...“
„Und wenn sie uns in den Zoo stecken?“
„Irgendwo auf dem Mars in einem Käfig sitzen und sich von Marsmenschen angucken lassen? Möchte ich auch nicht...“
„Man könnte die Marsmenschen studieren, die einen ankucken, während man im Käfig sitzt. Wo sieht man sonst so viele Marsmenschen?“
„Lieber würde ich im Käfig sitzende Marsmenschen ankucken, als Marsmenschen, die mich im Käfig ankucken.“
„Da ist was dran...“ Ayolla öffnete ihren Lippenstift. „Oder wenn sie uns präparieren... Nackend im Spiritus schwimmen...“
„Was macht’s für einen Unterschied, ob du nackend im Spiritus schwimmst oder nackend im Champagner?“ bemerkte Natascha.
„Was willst du damit sagen?“ fragte Ayolla mißtrauisch.
„Daß du dein Gehalt mit Striptease aufbesserst weiß mittlerweile das ganze Institut. Ich hab dich selbst gesehen. Zum Schluß räkelst du dich nackt in einem überdimensionalen Champagnerglas.“
„Ach so...“ Ayolla betrachtete im Taschenspiegel aufmerksam ihre Lippen. „Aber da ist doch nichts dabei. Außerdem verbessert Striptease nicht nur das Gehalt, sondern auch die Laune. Mir macht Strippen Spaß.“
„Wieso meinst du, ich würd was dabei finden, wenn du strippst? Ich find nichts dabei. Wenn ich keinen solch eifersüchtigen Anhang hätte, würde ich es vielleicht auch versuchen. Übrigens ich hatte dich fragen wollen, ob der Champagner echt ist.“
„Der Champagner ist echt,“ antwortete Ayolla. „Man legt Wert darauf, daß ich in echtem Champagner bade. Und frisch muß er sein: jeden Abend öffnet man neue Flaschen...“
„Was für eine Verschwendung...“
„Nun werd nicht neidisch,“ sagte Ayolla. „Frischer Champagner prickelt so schön. Spiritus würde sicher nicht prickeln. Zudem ist es ein großer Unterschied, ob einen dabei lüsterne Erdenmänner angucken oder kalte und glitschige Marsmenschen.“
„Woher weißt du, ob Marsmänner kalt sind und glitschig?“
„Ob sie glitschig sind, weiß ich nicht. Aber kalt sind sie sicher. Sie werden mich mit einem rein wissenschaftlichen Interesse anschauen... Genauso wie unsere Zoologen sich nicht durch ein gerupftes Huhn oder eine ausgestopfte Schimpansendame aus der Fassung bringen lassen...“
„Es gibt auch Bestialisten...“
„Mag sein; aber das sind Ausnahmen. Im Allgemeinen lassen sie sich nicht aus der Fassung bringen.“
„Ich würd mich übrigens liebend gern präparieren lassen; ganz egal, von wem...“ sagte Natascha nachdenklich.
„Du bist nur masochistisch...“
„Na und? Dafür bis du exhibitionistisch.“
„Natürlich bin ich exhibitionistisch...“ Ayolla stand auf, wiegte die Hüften. „Nichts schöneres, als im Feuer gierender Blicke die Hüllen fallen zu lassen... Aber auch masochistisch bin ich. Doch präpariert werden möchte ich, wenn schon, dann nur von Erdenmännern. Marsmenschen lassen mich kalt.“
„Beides hat was für sich,“ sagte Natascha.
„Mag sein...“
- „Professor Krüggelmann?“ ertönte zum dritten Male die Stimme.
Professor Krüggelmann erwachte. „Ja bitte?“ antwortete er.
„Ein Brief für Sie,“ sagte die Stimme.
„Vom Mars?“ fragte Ayolla.
„Nein. Aus Hamburg,“ antwortete der Postbote.
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