Die Klamurke Belletristik
Ins Land des Lasters

Philophaginnen

Ich liebe Masochistinnen; und vor allem dann liebe ich sie, wenn sie philophagisch[1] sind. Und je philophagischer sie sind, desto mehr liebe ich sie. Nach meinem Dafürhalten findet das Urbild der Weiblichkeit seine würdigste Verkörperung in der Philophagin.

— Manche mögen das befremdlich finden. Was liebst du, mögen sie fragen, Philophaginnen? Da du doch sonst kaum Fleisch issest? Wahrlich, wahrlich, dich als Kannibalen vorzustellen bereitet nicht wenig Probleme!

Sicher entbehrt dieser Einwand nicht einer gewissen Berechtigung. Denn in der Tat würde ich nie und nimmer eine Philophagin aufessen, und wenn sie noch so sehr darum bitten würde. Ich würde mich darauf hinausreden, daß ich keinen so großen Topf habe oder keine so große Pfanne und würde sie stattdessen einladen zu einer Portion Spaghetti mit Spiegeleiern, oder, falls ich keine Spaghetti oder Eier zur Hand habe, zu Bratkartoffeln mit Kefir oder sonstwas; und ansonsten würde ich ihr raten, in Afrika, Australien, Neuguinea oder sonstwo im Urwald spazieren zu gehen; dort gebe es Kannibalen, und die würden sie mit Vergnügen aufessen und hätten auch das entsprechende Werkzeug dazu.



1) Philophagie: von E. Krivoi-Krokovski entdeckte sexuelle Perversion, die ihre Befriedigung im Aufgegessenwerden findet.
© Raymond Zoller
Zur russischen Fassung





Diesen Text findet man, neben vielen anderen, in dem Taschenbuch

Raymond Zoller

Wie ich den König vom Pferd schubste

und sonstiges Episodisches

RaBaKa-Publishing, Edition Ivata
Erscheinungstermin: Juni 2013
Preis: 16,90 €
Seitenzahl: 196
ISBN: 978-3-940185-25-9









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